NADJA GLASER

Das Dresdner Zentralwerk, eine einst düstere alte Fabrikanlage, die in den vergangenen Jahren von Kunst- und Kulturschaffenden saniert wurde und heute zum Arbeiten und Wohnen genutzt wird. Es ist still in dem großen hellen Atelier; durch das raumhohe Nordfenster fällt gleichmäßig Licht. Zugleich ist das Fenster Rahmen für den Blick nach draußen: ausladende Baumriesen mit dichtem grünen Blattwerk, dahinter der alte Ballsaal.

Nadja Glaser arbeitet an einem Ölgemälde, die Restauratorin ist hoch konzentriert. Kleine Beschädigungen müssen mit größter Sorgfalt behandelt werden. Eine gute Restaurierung bleibt weitgehend unscheinbar. Sie ist immer eine Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk, wobei jeder Schritt abzuwägen ist, da die Spuren der Geschichte und Vergänglichkeit respektiert werden sollten.

Ich staune: Als Gemälde-Restauratorin muss Nadja Glaser vieles sein: Künstlerin, Handwerkerin, Wissenschaftlerin und auch ein wenig Philosophin. Wir kommen ins Gespräch über Gott und Welt. Während ich fotografiere, arbeitet Nadja weiter. Später entstehen noch zahlreiche Portraits am Fenster. Der Blick ins lichterfüllte Draußen scheint mir der stärkste Gegensatz zur Konzentration im Innern des Ateliers.

Die Arbeit der Restauratorin fasziniert mich. So viel Wissen und Können, so viel Fähigkeit und Fertigkeit – um schließlich für den Betrachter eines Werkes kaum sichtbare Spuren zu hinterlassen.