sTADTPORTRAIT HALLE (SAALE)

Dresden ist Wahlheimat, Halle bleibt Heimat. Mit sechzehn Jahren ging ich zur Lehre nach Thüringen. Gut fünfunddreißig Jahre vergingen, ehe ich die inzwischen gewandelte "Diva in Grau" neu entdeckte. Halle ist eine alte Stadt. Einstmalige Residenz des einflussreichen Kardinals Albrecht von Brandenburg, eines der Zentren der Reformation und später der Aufklärung, Bürgerstadt, Gelehrtenstadt – Geistes- und Naturwissenschaften waren Jahrhunderte prägend für das Klima Halles. Stadt der Künste und der Musik – die Kunsthochschule Burg Giebichenstein ist bis heute eine der führenden Lehreinrichtungen ihrer Sparte in Deutschland, und die Händelfestspiele gehören zu den international renommierten Festivals für Alte Musik mit globaler Strahlkraft. Die Stiftung Moritzburg steht mit ihrer bedeutenden Sammlung und den klug konzipierten und exklusiven Ausstellungen für den Kunstsinn Halles. Aber ebenso: Stadt der Industrie – die Leuna- und die Bunawerke prägten den Raum Halle-Merseburg während des 20. Jahrhunderts maßgeblich. Halle wurde nun auch Arbeiterstadt.


Heute ist Halle bunt. Das in großen Teilen unzerstört gebliebene Zentrum gehört zu den wenigen großstädtischen in Deutschland, die vom Bombenhagel verschont wurden. Kleine Gassen, gewundene Straßen, bescheidenes Fachwerk und repräsentative Gründerzeit – Halle hat nach 1990 seinen Charme wieder gefunden. Es ist quirlig geworden. Die Universität befindet sich mitten im Zentrum, Studenten sind allgegenwärtig. Kneipen, Cafés, Restaurants, Galerien, Ateliers, Clubs. Die Stadt hat sich verändert. Zu ihrem Vorteil. Ein Gewinn.